Gotland – Schatzinsel in der Ostsee

  • Gotland

    Gotland Foto: Turistbyrå Gotland

  • Furillen

    Furillen Foto: Turisbyrå Gotland

  • Fårö

    Fårö Foto: Turistbyrå Gotland

  • Nordergravar

    Nordergravar Foto: Turistbyrå Gotland

  • Daniel 2008-11-06 519-närproducerat

    Locally produced Foto: Turisbyrå Gotland

  • Vamlingbo copyright www.gotland.com

    Vamlingbo Foto: Turistbyrå Gotland

Wenn Europa je eine geistige Mitte hatte, einen Ort, an dem Europa als Idee geboren wurde, dann hier im Kreise der Gotlandfahrer. Gotland war bereits zur Wikingerzeit Knotenpunkt der Handelsrouten zwischen Byzanz, dem Schwarzen Meer und Westeuropa. Visby entwickelte sich im Mittelalter zu einer wahren europäischen Hauptstadt, in der die Hansenationen Kontore errichteten, ihre Bräuche und Eigenarten ungehindert pflegten und ihre Kirchen bauen konnten. Die Straßen heißen immer noch wie damals: Danziger Gasse, Stettiner Gasse, Russengasse, Riga Gasse. Erinnerungen an den einstigen Pioniergeist der Insulaner, der keine Grenzen und unbekannte Ufer kannte.

Wie viel Pracht  und Reichtum sich einst auf der Insel, entfalteten, ist in Visby noch heute sichtbar: die enge Altstadt mit ihren Kirchenruinen, winkeligen Gassen und mittelalterlichen Häusern umgeben von einer noch intakten Ringmauer, gebaut nach dem Vorbild der Kölner Stadtmauer, gehört mittlerweile zum Weltkulturerbe.  Auf dem Land findet man große Gutshöfe und 92 noch intakte frühmittelalterliche Kirchen aus Stein und sogar mit Glasfenstern, gebaut von den reich gewordenen Bauern. Auf dem Kontinent wohnten Bauern damals noch in Holzhütten mit Fensterluken. Voraussetzung für den Reichtum war die Unabhängigkeit Gotlands: die selbständige Bauernrepublik war nur lose mit dem schwedischen Reich verbunden, d.h. die Bauern mussten nur geringe Abgaben zahlen und hatten Handelsfreiheit. 

Gotlands Natur ist von Kalkstein geprägt. An der steilen Nordwestküste haben Wind und Wellen die Kalksteinfelsen zu eigenartigen skulpturalen Gebilden geformt. Es gibt einsame Sandstrände, Vogelschutzgebiete, viele Kiefernwälder, Schafherden und im Osten eine karge, zerzauste Heidelandschaft. Hier hat der russische Regisseur Andrej Tarkowskij „Opfer“ seinen letzten Film gedreht. Ingmar Bergmann hatte sich hierher zurückgezogen, der Dramatiker Lars Norén schreibt  hier fast alle seine Stücke und der Schriftsteller Håkan Nesser hat im Nordosten der Insel ein Haus gekauft.

Gotland ist jedoch nicht nur Vergangenheit. Nach der Auflösung des Ostblocks knüpfte die Insel an vergangene Zeiten an und etabliert sich als Mittlerin zwischen Ost und West – im kulturellen Sinne. Die Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Baltikum:  Ende der Neunziger Jahre wurde auf Gotland das Baltische Zentrum für Schriftsteller eröffnet, kurz darauf gründete sich das Baltische Kunstzentrum und das Baltische Komponistenzentrum. Ziel ist es, Künstlern, die im Ostseeraum leben oder sich mit diesem thematisch beschäftigen, einen Arbeitsaufenthalt zu  finanzieren. Ein Versuch auch die widerstrebenden Interessen der Nachbarn zu vereinen und dem babylonischen Sprachgewirr rund um die Ostsee eine Stimme zu verleihen. Mittlerweile hat sich Visby zu einer weltoffenen Kunst- und  Kulturhauptstadt entwickelt, die Touristen, Künstler, Designer, Schriftsteller und Filmemacher aus der ganzen Welt anlockt. Anfang Juli findet sich hier auch Schwedens politische Elite zu der berühmten Almedalswoche ein, um zwischen den alten Gemäuern über die Geschicke und die Zukunft des Landes zu debattieren. Die Almedsdalswoche, die übrigens 1968 Olof Palme ins Leben gerufen hatte, ist mit seinen knapp 20 000 Besuchern und 2000 Seminaren vielleicht sogar das größte demokratische Polit-Happening weltweit.

Die historisch, kulturell und landschaftlich so reizvolle Insel Gotland ist in diesem Jahr übrigens eine ganz besondere Reise wert: Gotland wurde nämlich kürzlich für seine vitale Landwirtschaft und Kreativität bei der Veredelung von Nahrungsmitteln zur Gourmetregion des Jahres ernannt. Kein Wunder: Gotlands mildes Klima lässt sogar Safran-Krokusse blühen und exquisite Trüffelpilze gedeihen! Für die Verarbeitung solch exquisiter regionaler Köstlichkeiten ist die gotländische Kochkunst mittlerweile auch weit über seine Wassergrenzen hinaus bekannt, denn während die Kreuzfahrtschiffe am Hafen vor Anker liegen, wird den Inselbesuchern in preisgekrönten Restaurants in Visby gotländische Spezialitäten à la nouvelle cuisine serviert, wie beispielsweise die Gotland- Fischsuppe, ein kulinarischer Traum, delikat mit Safran und Kaiplök (einer gotländischen Zwiebelart) zubereitet.

Text: Daphne Springhorn

Navigation

Top