Schweden wird seine Aufmerksamkeit vor allem zwei Themenbereichen widmen. Diese sind von großer Bedeutung, offenkundig und betreffen jede Bürgerin und jeden Bürger in Europa. Erstens müssen wir uns um die Wirtschaftskrise und die steigende Arbeitslosigkeit kümmern. Es ist überaus wichtig, dass wir wieder ein nachhaltiges Wachstum erreichen. Uns obliegt die gemeinsame Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Europäische Union gestärkt aus der Finanzkrise hervorgeht. Der zweite wichtige Themenbereich ist der Klimaschutz. Im Dezember findet in Kopenhagen das Gipfeltreffen statt, auf dem ein neues Klimaschutzabkommen als Nachfolge für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden soll. Auf diesem Gebiet müssen konkrete Resultate erreicht werden.
Das kommende Halbjahr wird auch von Veränderung und Erneuerung geprägt sein. Das neu gewählte Europäische Parlament wird seine Arbeit aufnehmen und eine neue Kommission ernannt. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir während unseres Ratsvorsitzes den Vertrag von Lissabon auf den Weg bringen können, der uns zeitgemäßere Spielregeln und bessere Voraussetzungen bietet, den politischen Herausforderungen von morgen zu begegnen.
Die Ratspräsidentschaft wird sich auch anderen wichtigen Aufgaben wie der Stärkung der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der Justiz und der Flüchtlingspolitik sowie der Verbrechensbekämpfung im Rahmen des so genannten Stockholmer Programms widmen. Die Verabschiedung einer Strategie für den Ostseeraum, um dessen Umweltprobleme bewältigen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken zu können, zählt ebenso dazu wie die EU-Erweiterung und fortgesetzte Anstrengungen zur Entwicklung der europäischen Nachbarschaftspolitik. Die schwedische Ratspräsidentschaft wird außerdem die Arbeit zur Stärkung der EU als globaler Akteur mit einer klaren Agenda für Frieden, Entwicklung, Demokratie und Menschenrechte fortführen.
Für mich als schwedische Botschafterin in der Bundesrepublik Deutschland wird der schwedische EU-Ratsvorsitz auch stark von den guten Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten geprägt sein, von Deutschlands wichtiger Rolle in der EU-Zusammenarbeit, von der Bundestagswahl und den Feierlichkeiten anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls.
Eine EU-Ratspräsidentschaft bietet neue Gelegenheiten der Zusammenarbeit und der Vertiefung von Beziehungen. Sie macht neue Begegnungen möglich – zwischen Entscheidungsträgern, Bürgerinnen und Bürgern, Regionen und Ländern. Diese Gelegenheiten wollen wir nutzen und ich hoffe, dass die schwedische Ratspräsidentschaft zu einer weiteren Stärkung der Verbindungen zwischen Schweden und Deutschland beitragen kann.
Ruth JacobyBotschafterin