Diese und andere Fragen wurden kürzlich auf einem Klimaseminar im Felleshus, dem Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften in Berlin, diskutiert.
Das Interesse an der Klimaproblematik war vielleicht nie größer als gerade jetzt, zwei Monate vor dem Cop15-Gipfel in Kopenhagen. Im voll besetzten Auditorium diskutierte ein Podium mit eingeladenen Gästen aus den nordischen Ländern sowohl Mittel als auch Ziele der Arbeit für den Klimaschutz.
Globales KlimatbudgetDem Seminar lag ein Vorschlag des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zugrunde, wie die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius begrenzt werden könnte. Der Vorschlag, präsentiert von der Generalsekretärin des WBGU Dr. Inge Paulini, beinhaltet in groben Zügen, dass alle Länder ausgehend von einer globalen Emissionshöchstgrenze – einer Art Klimatbudget – Emissionsrechte für Treibhausgase erhalten, die sich nach der Zahl der Einwohner im jeweiligen Land richten. Mit den Emissionsrechten kann dann zu den Bedingungen des Marktes gehandelt werden.
Verschiedene PerspektivenDie Podiumsteilnehmer repräsentierten zusammen ein breites Spektrum an Erfahrungen, Wissen und Perspektiven. Mikael Hannus, Vice President Energy bei StoraEnso, erkannte die Wichtigkeit der Emissionssenkungen an, zeigte aber zugleich auch potentielle Probleme bei der Umsetzung auf. - Wenn wir die hohen Kosten für umfassende Emissionssenkungen aufbringen sollen, ist es unabdingbar, dass entsprechende Forderungen auch an unsere Konkurrenten in der ganzen Welt gestellt werden. Geschieht dies nicht, läuft unsere Wettbewerbsfähigkeit Gefahr, so sehr geschwächt zu werden, dass wir gezwungen sein können, unsere Tätigkeit einzustellen. Nach KopenhagenOuti Berghäll, ehemalige Chefunterhändlerin für Klimfragen der finnischen Regierung, betonte, dass die Welt nun im Hinblick auf die Emissionen den Worten Taten folgen lassen muss. In diesem Punkt ist die Vorreiterrolle der USA von entscheidender Bedeutung.- Das Wichtigste am Kopenhagener Gipfel ist es, deutlich zu machen, was jedes Land im Bereich des Klimaschutzes erreichen muss, und das ist nur möglich, wenn die USA den Weg weist. Groß ist die Skepsis bei vielen, wie weit man von amerikanischer Seite bereit ist zu gehen, aber das Team in Washington ist stark und kann viel erreichen. Und in diesen Zusammenhängen sollte man die Möglichkeiten positiver Überraschungen nie unterschätzen.
Die Erwartungen an den Gipfel in Kopenhagen variierten bei den Podiumsteilnehmern, aber alle waren der Auffassung, dass der Gipfel wahrscheinlich nicht in einer vollständigen Vereinbarung resultieren wird, die das Klima der Zukunft sichert. - Es wäre ein großer Erfolg, würde man Beschlüsse fassen, die die Begrenzung der weltweiten Erwärmung auf zwei Grad Celsius beinhalten, aber ich glaube leider nicht, dass dies geschehen wird. Ich betrachte Kopenhagen statt dessen als einen ersten Schritt in einem Prozess, der das Ziel hat, zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Lösung zu gelangen, so Dr. Inge Paulini vom WBGU.
Fußnote: Das Seminar „Deutsche und nordische Ansätze für einen erfolgreichen Klimaschutz“ fand am 6. Oktober 2009 statt.
Podiumsteilnehmer: Dr. Inge Paulini, Generalsekretärin, WBGU Outi Berghäll, Chefunterhändlerin für Klimafragen der finnischen Regierung 2000-2007Dr. Camilla B. Froyn, 1. Ministerialdirigentin im norwegischen FinanzministeriumMikael Hannus, Vice President Energy, StoraEnso SchwedenThomas Faegerman, Leiter, Gedankenschmiede Concito, Dänemark Moderator: Hans Jessen, Radio Bremen
Rechts finden Sie eine Zusammenfassung von WBGU sowie Powerpoint-Präsentationen von Outi Berhäll und der Gedankenschmiede Concito.